Der Schein trügt nicht – weitere Eindrücke und Bilder aus Picarras
Jasper beim Mittagessen im Kinderheim
In den letzten 3 Wochen ist bei uns eine alltägliche Stimmung eingetreten. Wochentags geht es morgens mit dem Fahrrad zu Caminhar Juntos und wir spielen und lernen mit den Kindern. Wenn wir nicht über Mittag dableiben und auch die Nachmittagsgruppe begleiten, wird Zuhause gelernt, und Kuchen gegessen. Danach gehen wir bei gutem Wetter an den Strand – für Fussballtraining und Wellenspass.Abends kocht Vater öfters, Mutter hat Zeit zum Lesen oder Skyen, die Kinder gießen Blumen und Rasen. In der Straße nahmen anfangs nur die Hunde von uns Notiz (zunächst böse bellend, jetzt Schwanz wedelnd). Mittlerweile grüßen auch manche Nachbarn freundlich, die Kinder beginnen miteinander zu spielen. Beim täglichen Brötchenkauf sind die Bäckersfrauen nach wie vor entzückt, wenn sie Niklas und Jasper sehen („que lindo“).
Basketballspiel im Kinderheim
Die Beiden kommen mit ihrer Sonderrolle im Kinderheim jetzt besser zu recht und sind dort akzeptiert. Die Kämpfe und Anmachspielchen von seiten der Mädchen lassen nach, jeder findet seine Spielkameraden und Möglichkeiten sich zu beschäftigen. Die Kinder merken, dass Niklas und Jasper den anderen beim schulischen Lernen etwas voraus haben und sind neugierig wie aufnahmebereit. Wir Erwachsenen (beide haben wir mal Pädagogik studiert!?) schaffen es mittlerweile trotz beschränkter Sprachkenntnissen, ein Spiel anzuleiten, ohne dass daraus gleich Chaos entsteht.
Wenn man sich mit einzelnen Kindern beschäftigt oder in die morgendliche Runde schaut, blicken alle wie die liebsten Engel. Dies kann sich schnell ändern, wenn irgendein Kind meint, dass es zu kurz kommt oder Vorrechte hätte, beispielsweise unbedingt den Ball für sich behalten will. Dann kommt es innerhalb von Sekunden zu Raufereien, die jeweiligen Geschwister kommen als Verstärkung hinzu. Die Erzieherinnen treten beherzt ein. Im Nachgang zeigen sie Geduld und Klarheit. Mal mit mal ohne den Bezug auf Gott appellieren sie an den gegenseitigen Respekt. In der Beobachtung können wir viel über Zwischentöne, Stimmungen und persönliche Wirkungen erfahren, die jeder Erwachsene bzw. Äußerung in Abhängigkeit von der Situation und den anwesenden Kindern hervorruft.
An den Wochenenden haben wir frei und machen öfters Ausflüge ans Meer. Mal mit dem Rad, mal eingeladen im Auto von Gerda, Irma, Irena oder Elisabeth.
Schwestern Gerda und Irma
Diese vier verfügen allesamt über viel Lebenserfahrung, wie wir aus den Gesprächen erfahren. Irma hat ein Altersheim über viele Jahre aufgebaut und geleitet, Gerda als Diakonieschwester im Amazonas und Pernambuco den Weg zu den Armen und Kranken gesucht. Bei Caminhar Juntos setzt sich jede der vier – fest im christlichen Glauben – für die Kinder ein, ohne etwas davon zu erwarten. Es wird eingekauft für die Kinder, es werden Tische und Geräte von anderen Institutionen abgeholt, weitere Freiwillige gesucht und einbezogen, die Abrechnung monatlich exakt abgewickelt. Die Dokumentation und Abrechnung aller Aktivitäten und Ausgaben erfolgt akribisch. Für den geschenkten Fussball erhalten wir eine Bescheinigung, die einem Diplom gleich kommt.
Nach dem schweren Rückschlag vor einem Jahr, als der Berg nach 13 Wochen Regen abrutschte und das Kinderhaus unbewohnbar machte, hat sich das Projekt wieder stabilisiert. Alle hoffen nun darauf, dass man die Anerkennung von Caminhar Juntos bei den Behörden im nächsten Jahr erreicht und einen Teil der Kosten von dort übernommen werden. Wir drücken fest die Daumen!
|